Checkliste Fragestellungen in Anamnese und Fallanalyse

Die folgenden Empfehlungen zur Dokumentation von Anamnesen sind für computergeschriebene wie handgeschriebene Texte gültig und eindeutig. Es lohnt vor allem bei gemeinsam zu bearbeitenden Fälle die Mühe. Ohne Übereinkunft in der Kennzeichnung ist eine Nachbearbeitung anhand von Aufzeichnungen ohne ständige Rückfragen nicht möglich!

Intensitäten:

Unbedingt und in jedem Fall ist es wichtig die Intensitäten der aufgenommenen Symptome festzuhalten. Die Intensitäten sind mit Hochzahlen hervorzuheben. Hochzahl 3: Brennend³ für sehr intensiv und spontan geäußerte Ausdrücke. (Ja, dieses Symptom ist in diesem Fall hervorstechend intensiv/genau so! Es ist präsenter und mehr im Vordergrund der Wahrnehmung des Patienten als andere Symptome mit der Hochzahl 2 : Brennend², dieses wiederum intensiver und präziser vom Patienten erlebt als Symptome ohne Hochzahl : Brennend

Merkwürdigkeiten

Merkwürdiges, Seltsames und Auffälliges muß ebenfalls gekennzeichnet werden. Am besten durch Unterstreichungen. (Es liegt auf der Hand, dass wir Probleme bekommen mit Auswertung, wenn wir mal Intensitäten unterstreichen würden und mal unterstreichen würden, was uns merkwürdig erscheint; was ja nicht notwendig auch intensiv sein muß)

Übergeordnete Fragestellungen während der Anamnese

Diese untenstehenden Fragestellungen sollten schon während der Anamnese präsent sein. Häufig erschließt sich uns ein gegebener Fall unter einem betimmten Blickwinkel besonders gut. Es ist völlig legitim, bei Bedarf bestimmte Aspekte der Anamnese besonders zu vertiefen. Unter Umständen benötigt man zur vollständigen Anamnese dann ein weiteres Gespräch. (Hahnemann spricht von "mehreren Unterredungen, in denen das Bild der chronischen Krankheit aufgezeichnet wird")

  1. Generell: Was drückt der Patient am intensivsten aus ? Was ist im Vordergrund des Erlebens des Patienten ?
  2. Generell: Was ist merkwürdig, seltsam, kurios, kennzeichnend, nur bei diesem Patienten so ?
  3. Was sind die Symptome und vor allem die Modalitäten die zur Hauptbeschwerde gehören. (Lokale und Allgemeine) ?
  4. Welche Ereignisse kommen als Causa in Frage ? (Psychisch, physich, toxisch, iatrogen, miasmatisch, etc.)
  5. Gemüt, wie ist die Rekation unter Symptomdruck ?
  6. Gemüt, wie ist die Reaktion während/nach potentiell traumatisierenden Erlebnissen gewesen (auf Resonanzen zum vorigen Punkt achten) ?
  7. Gemüt, wie ist in typischen Träumen die Reaktion auf die im Traum vorgestellte Situation ?
  8. Entwicklung des Krankheitsbildes in Korrespondenz mit den Schlüsselereignissen in der privaten und medizinischen Biografie. Genauen zeitlichen Ablauf erheben als Grundlage einer Zeitschiene. Eingrenzung der zuletzt aufgetretenen Symptomatik.
  9. Konstitutionell, Habitus, Allgemeinsymptome, Tpische Reaktionsweisen
  10. Gibt es klare Hinweise auf bestimmte Arzneimittelbilder (keynotes, Essenzen, typ. Pathologien, etc) ?

Zur Familienanamnese:

Die Brauchbarkeit einer Familienanamnese steht und fällt mit den erhobenen Details zum Alter der Betroffenen zum Zeitpunkt des Auftretens der Erkrankungen (Beispiel: Oma, mütterlicherseits, Brustkrebs, im 24. Lebensjahr, genesen/verstorben)

Fallanalysen

Grundsätzlich ist ein Fall immer aus mehreren verschiedenen Perspektiven zu analysieren. Die häufigsten dieser Perspektiven sind in den oben aufgeführten übergeordneten Fragestellungen aufgeführt. Solange sich keine befriedigende Ähnlichkeit gefunden ist, sollten die Fragestellungen systematisch jede für sich abgearbeitet werden. Es ist natürlich, das hierbei verschiedene Arzneimittel in den Blick kommen. Die abschließende Entscheidung für ein bestimmtes Arzneimittel, Potenz und Dosis erfolgt nach dem Ähnlichkeits- und Wahrhaftigkeitsempfinden der jeweiligen BehandlerIn und bleibt immer eine subjektive Handlung.