Follow-Up Leitlinien nach G. Risch

Fassen wir die Regeln noch einmal in kurzen Sätzen zusammen:

  1. Oberste und wichtigste Regel: Solange eine positive Reaktion auf ein Mittel anhält, darf die Gabe nicht wiederholt und das Mittel nicht gewechselt werden.
  2. Ist man absolut sicher, daß ein Mittel keine positive Reaktion ausgelöst hat, muß man ein neues, besseres finden.
  3. Verlaufen die Symptome im Sinne der Hering'schen Regel, darf nichts gegeben werden.
  4. Verlaufen die Symptome entgegengesetzt zur Hering'schen Regel, muß antidotiert werden.
  5. Folgt auf die Mittelgabe stetige Besserung, darf nichts gegeben werden.
  6. Folgt auf die Mittelgabe eine kurze, starke Erstverschlimmerung und dann Besserung1 darf nichts gegeben werden.
  7. Homöopathische Erstverschlimmerung bedeutet: Periphere Sym­ptome schlechter, zentrale besser; oder: Krankheitssymptome schlechter, Patient fühlt sich besser.
  8. Folgt auf die Mittelgabe eine lange Verschlechterung, der doch noch Besserung folgt, darf nichts gegeben werden.
  9. Folgt auf die Mittelgabe eine lange Verschlechterung ohne anschließende Besserung, ist der Fall meist unheilbar. Es sollen dann nur palliative Mittel gegeben werden.
  10. Folgt der Mittelgabe erst Besserung und danach Verschlechterung, gibt es zwei Möglichkeiten:
    • es wurde ein falsches Mittel gegeben. Man setzt das Mittel sofort ab und wartet, bis die Ausgangssymptomatic zurückgekehrt ist. Dann setzt man ein besseres Simile ein.
    • Der Fall ist unheilbar.
  11. Folgt der Mittelgabe eine Besserung, die nicht anhält, gibt es drei Möglichkeiten:
    • Das Mittel war richtig, aber seine Wirkung wurde durch irgend etwas gestört. Ursache (z. B. Lebensweise des Patienten oder Medikamentenmißbrauch) beseitigen. Bei demselben Mittel bleiben.
    • Das Mittel wirkte nur oberflächlich und palliativ. Besseres Mittel finden.
    • Der Fall ist letztlich unheilbar.
  12. Die klinische und die Krankheits-Diagnose helfen bei der Beurtei­lung, ob ein Fall letztlich heilbar ist oder nicht.
  13. Folgen nach einer Mittelgabe alsbald völlig neue Symptome, die nicht zum Arzneimittelbild des Mittels gehören, war das Mittel falsch.
  14. Treten nach einer Mittelgabe alsbald neue Symptome auf, die sich als zum Arzneimittelbild des gegebenen Homöopathicums gehörend erweisen, ist das Mittel richtig. Nicht eingreifen!
  15. Treten nach einer Mittelgabe alte Symptome aus früheren Zeiten auf, ist das Mittel richtig. Nicht eingreifen.
  16. Ein gut wirkendes Mittel darf erst wiederholt werden, wenn die Symptome zurückkommen.
  17. Solange ein Symptomenbild in Bewegung ist, darf nichts gegeben werden!
  18. Treten nach langer guter Wirkung eines Mittels neue Symptome aufl kann das ein Signal für einen Mittelwechsel sein.
    • Das zuletzt erschienene, neue Symptom soll der Führer zum näch­sten Mittel sein.
    • Das Hervortreten eines anderes Miasmas wird deutlich. Das näch­ste Mittel muß aus der Reihe der gegen dieses Miasma gerichteten Mittel sein.
  19. Verlasse ein Mittel nie zu früh. Es muß erst z.B. durch die Gabe einer höheren Potenz ausgetestet werden, ob es nicht doch noch etwas bringt, bevor man es wechselt.
  20. Es sollen möglichst komplementäre Mittel aufeinander folgen.

Die Regeln 1, 3, 5, 6, 8, 14, 15, 16 und 17 erfahren bei Einsatz von LM-­Potenzen eine gewisse Modifizierung: LM-Potenzen dürfen wiederholt werden. Aber auch hier schalte man genügend lange arzneifreie Zeit­räume ein, um den ungestörten Verlauf der Symptome beobachten zu können.

Diese Regeln, die sicher noch durch die eine oder andere Möglichkeit bereichert werden können, dürfen aber niemals starr und schematisch gehandhabt werden. Immer muß es der Patient mit seiner Konstitution und seiner Reaktionsweise sein, der die obersten und einzig gültigen Maßstäbe für die Beurteilung seines Falles setzt. Besonders empfindliche Patienten werden ganz anders auf die Gabe eines Simile reagieren als unempfindliche. Erstere werden viel stärkere und zahlreichere Reaktionen zeigen als letztere. Dementsprechend werden auch unterschiedliche Gabenwiederholungen und Potenzstärken erforderlich sein. Ich kenne Patienten, die schon auf das einmalige Riechen an einer LM-Potenz .......usw.